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Rolf Muller
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„Igby“ brauchte eine Weile ehe er mich bekam. Ziemlich zerfasert und spannungsbefreit beginnt das Ganze und wie bei Coming of Age Filme so üblich ohne so wirklich ersichtlichen roten Faden. Da brauchte ich doch eine Weile um mich mit Igby abzufinden. Zumal dieser Igby ein ziemlich komischer Vogel ist. Aber kein Wunder bei der Familie. Die Mutter ist eine tablettensüchtige krebskranke herzlose Frau und sein Vater ist aufgrund von zu viel Druck und Stress komplett durchgedreht und sitzt in der Klapsmühle. Igby ist ein sogenanntes Problemkind, absolut unangepasst lässt er sich von nichts und niemanden sagen was er tun oder lassen soll. Er wird auf die Militärschule geschickt und flieht daraus später nach New York zu seinem Onkel.

Ursprünglich sollte ja Macaulay Culkin den „Igby“ spielen, aber völlig zu Recht fiel die Entscheidung dann auf seinen jüngeren Bruder Kieran Culkin, der wesentlich sonderbarer wirkt als „Kevin“. Um die Culkin-Familie zu komplettieren, wurde dann für Rückblenden auch noch der kleine Bruder Rory Culkin engagiert. Und klar der Kieran überzeugt als der schwer greifbare, interessante, schlagfertige und schräge Typen „Igby“, aber der Cast drumherum spielt ihm hier schon die Show. Herrlich wer hier alles „Igby“ durch New York begleitet. Eine blutjunge und absolut entzückende Claire Danes, eine wie immer stark aufgelegte Susan Sarandon, selbst Bill Pullman überzeugte mich in seinen wenigen Szenen absolut, und Ryan Phillipe darf mal wieder das machen was er am besten kann, den eiskalten Engel spielen.

Die sind durch die Bank top besetzt und machen einen hervorragenden Job, am meisten begeistert hat mich allerdings Jeff Goldblum als Kierans zynischer und sexbesessener Onkel, der so herrlich glatt, schmierig und durch und durch arrogant ist, ohne aber so richtig unsympathisch zu wirken. Ganz stark!

Aber warum alle so brillieren liegt am wirklich grandios geschriebenen Drehbuch. Sehr schlagfertig, böse, zynisch, makaber und auch tiefgehend. Dafür verantwortlich zeichnet sich Burr Steers, der auch gleich Regie führte. Und da er selber im goldenen Käfig in einer ähnlich zerrütteten, kaputten und überreichen Familie aufgewachsen ist, weiß der Mann genau wovon er spricht, wovon er schreibt und was er hier filmt. Unglaublich eigentlich dass er später dann „Stolz und Vorurteil und Zombies“ abgekurbelt hat.

Ein großes Plus ist auch der Soundtrack, der ungemein viele bekannte Klassiker von z.B. „Cold Play“ und „Travis“ erklingen lässt und viele Szenen passend unterstreicht. Dafür dürften dann wohl auch die meisten Taler vom Budget der Indie-Produktion draufgegangen sein.

Trotz der vielen Facetten, der tiefgehenden und saustark geschriebenen Dialoge und der überzeugenden Darstellerleistungen konnte ich nie so richtig an „Igby“ als Charakter andocken, mich nie so richtig in den Film reinfühlen. Phasenweise war mir das dann zu bemüht cool und überzynisch. Die emotionale Komponente hat mir da schon ein wenig gefehlt. Oder vielleicht hat sie auch einfach bei mir gefehlt. Dennoch war es ein gelungener Ausflug mit „Igby“ durch New York. Man hat viele komplett irre Typen kennengelernt, die es so oder so ähnlich da draußen wohl (leider) wirklich gibt. Und ich habe zumindest gelernt, dass meine Famile doch wohl echt ok ist, wenn man sieht was hier so über die Leinwand kraucht! Danke dafür Igby!

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